Und dann höre ich einen Schrei,
seine Stimme in ungewohnter Tonlage und ich weiß, dass ich nur davon laufen kann. Und will ich ihn um jeden Preis beschützen ich kann nicht in seiner Nähe bleiben, wenn dieses Getier sich durch ihn an die Oberfläche frisst.
Ich kann nicht bei ihm bleiben, wenn sie ihn in ihre Gewalt bringen, dann schlüpfen sie in seine Arme, seine Beine, sie schlüpfen in seinen Kopf, treiben ihn so voran. Sie bemächtigen sich seines Körpers und greifen mit seinen Fingern nach mir, halten mir mit seinen Fingern den Mund zu, wenn ich schreie.
Die Tür wird aufgebrochen.
Mein Blickfeld wird blutrot.
Ich falle.
Ich falle,
steige auf, renne, bin ruhelos, ich komme voran, ich sinke, ich schreite, krieche, rutsche, komme vom Weg ab und finde doch wieder zurück. Ich sprinte, ich flüchte, ich fliehe, laufe davon, versuche verzweifelt zu entkommen und werde doch wieder gefangen. Ich irre umher in einem Gewirr aus Gliedmaßen, einem Labyrinth aus Körpern. Hinter mir kann ich sie kommen sehen, sie greifen nach meinen Händen, greifen nach meinen Füßen, versuchen, mich zu fangen, wollen ihre Gesichter in mir vergraben, wollen in mich dringen, wollen aus mir trinken, wollen meinen Schmerz sehen, wollen sehen, wie mein Blut denn Boden drängt.
Ich strample, zapple, versuche verzweifelt zu entkommen, versuche verzweifelt, ihnen zu entwischen, versuche mich davon zu machen und will doch, dass sie mich zerstören. Will sie befriedigt sehen.
Ich warte nur darauf, dass sie mich hinfort nehmen, darauf das sie mich in meine Einzelteile zerlegen. Sie schlagen über mir zusammen sodass ich sicher bin: wenn sie mit mir fertig sind, wird nichts mehr von mir übrig bleiben. Nichts wird von mir auf dieser kleinen Welt zurück bleiben, nicht einmal ein Tropfen Blut, nicht mal ein wenig Knochenmehl.
Sie kommen bei Nacht um mich zu holen, aber und aber Millionen von Käfern, sie kommen über mich, wie ein Mann, wie eine Armee, sie kommen um mich zu nehmen, mich aus meiner Form heraus zu lösen, sie dringen schmerzhaft zwischen meine Beine, drängen tief in meine Eingeweide vor, schieben mich auseinander, zerreißen mein Fleisch, zerbrechen meine Knochen, versenken ihren Körper in mir,-
nun nehmen sie Platz in mir ein.
Diese Käfer, die sich in mich fressen, durch meine Haut, meine Knochen, durch jede Pore meines Körpers, fressen sich durch mich,
kennen kein Erbarmen.
Sie handeln ohne erste Annäherungsversuche, ohne Scheu. Es gibt kein höfliches Anklopfen, kein vorsichtiges Herantasten, keine zarte erste Konversation. Es ist ein Hereinbrechen, Heranstürmen, Anstürmen, ein kompromissloses, eines ohne Scheu, ein über mir Zusammenschlagen, ein mich unter sich begraben, ein mich verschütten, vergraben, bedecken und niemals wieder hervor holen.
Ich werde gekaut, zerfleischt, zerlegt, ausgequetscht, zerhackt, zerstampft, gebraten, ausgenommen, abgenagt, verdaut und wieder ausgespuckt. Jeder meiner Knochen wird freigelegt, mein Innerstes bloßgelegt, mein ganzer Körper seziert.
Sie wollen jeden noch so kleinen Zipfel meiner Existenz in sich aufsaugen, wollen mich verschlingen, mich verspeisen, mein Innerstes, mein Herz meine Lungenflügel, Leber, Adern, Muskeln, Knochen, Blut und Nerven.
Sie wollen alles an mir sehen, wie ich geschaffen bin, aus welchem Stoff ich bestehe, was in mir steckt, tief in mir versenkt, was meine Liebe ist und was mein Hass.
Wollen alles sehen, was ich versuche zu verstecken.
Sie wollen mich besitzen.
Und sie umfangen mich als wäre ich ihr Neugeborenes und wollen mich zur selben Zeit erwürgen.
Und sie lieben mich, als wäre ich das Wertvollste und wollen doch sehen wie ich an ihrer Liebe sterbe.
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