Wissenswertes+Rechtschreibung
Alle hier veröffentlichten Bilder so wie auch Kurzgeschichten, Gedichte, Photografien ec. sind meine Persönlichen Werke. Sollte ich doch einmal Werke eines anderen Künsters zeigen, werde ich dies ganz zu Anfang vermerken.
Anmerkung zur Rechtschreibung:
Wer sich an einer nicht korrekten Rechtschreibung störrt den bitte ich diese Seite wieder zu verlassen. Ich nehme aber gerne freundliche Korrekturen entgegen.
Freitag, 28. Oktober 2011
Lyrik
Mit unseren Händen wühlen wir den Boden um uns auf, um es zu erreichen.
Nach 1 1/2 Metern blitzt uns das Fleisch der Erde entgegen wie eine offene Wunde
und die Erleuchtung klebt zwischen unseren Händen in Erde und Matsch.
Und ich sehne mich danach, wieder eins zu werden mit diesem Kreislauf der Dinge,
mit unsrer aller Mutter, die wir so lieben und doch versuchen zu zerstörn.
...
Wir sind die Kinder ihres Schaffensdrangs.
Wie können wir nur jeden Tag aufs Neue vergessen das es ein Wunder ist, wie unsere Herzen, unermütlich, in unseren Brüsten, schlagen.
Nicht auf unsere Todeswünsche hören.
Lachend auf uns deuten und sagen:
"Du wirst trotzdem weiterleben, du Dummkopf.
Ich lasse dich nicht gehen."
Lyrik
Mein kleiner Schatz,
verlier dich nicht in Nichtigkeiten,
solange ich an deiner Seite bin,
werd ich dir den Weg bereiten.
Wenn sie mir alle Knochen brechen,
und mein Blut den Boden ziert,
werd ich mit meinem Munde zu dir sprechen,
und dir versichern das dir nichts passiert.
Ganz egal was ich auch tun werde,
wecke mich mit aller Kraft und sprich:
"Ruht meine Liebe auch tief in dieser Erde,
grabe sie aus,
beanspruch sie für dich."
Samstag, 8. Oktober 2011
Zeit der Käfer III
Alles, was wir gewöhnt sind, alles was wir taten, alle Zeit die wir gemeinsam verbrachten scheint auf einmal keinen Wert mehr aufzuweisen. An seiner Oberfläche, seinem Gesicht, seinen Bewegungen kann ich sehen wie die Käfer in seinem Inneren rumoren. Kann sehen wie sie die Wände seines Körpers auf und nieder krabbeln, wie sie versuchen, durch seinen Mund in die Freiheit zu gelangen.
Und ich kann es nicht ertragen zu sehen, wie er schluckt, kann nicht ertragen wie er sich heimlich im Bad erbricht, im Glauben ich würde ihn nicht hören. Kann nicht sehen wie er zittert, wie er zusammen zuckt wenn ich mich in seiner Nähe plötzlich bewege, wenn ich versuche ihn zu berühren, wenn ich versuche, ihn zu beschwichtigen, ihn zu beschützen, ihn von allem dem Schlechten, all dem Fauligen, das in ihm wohnt zu befreien.
Ich habe große Angst die Krankheit, die in ihm wohnt könnte wieder über ihn hereinbrechen, über mich. Habe Angst davor zu sehen wie tausende an blutgetränkten Käfern aus seinem Munde dringen, wie eine Flutwelle. Ich will nicht sehen wie er dann ist, wie er sich dann bewegt, so schwach und verunsichert, so voller Selbstzweifel. Ich mag nicht sehen wie seine Augen flüchtig über mich streifen, sich nicht trauen, länger als nötig an meiner Oberfläche haften zu bleiben, sich davor fürchten ich könnte den Ausdruck in ihnen bemerken.
Meine Liebster bittet mich, er fleht mich an:
Ich solle gehen.
Er fleht mich an ich solle mich aus seinen Fängen befreien, aus allem was mich bei ihm hält. Er sagt ich werde krank in seiner Nähe. Er sagt das die Käfer in ihm bereit sind, mich zu verschlingen. Ich solle fort laufen vor ihm, vor seinen sanften Fingern die meine blasse Haut berühren, vor seiner schlanken, schwarzen Gestalt die sich durch unsere vier Wände schiebt. Er sagt ich solle ihn alleine lassen und anders glücklich werden.
Vielleicht hat er recht damit, vielleicht werden die Käfer in seinem Innern mich zerstören. Vielleicht wäre es besser wenn ich jemand anderen lieben würde. Aber ich kann nicht. Ich kann mich nicht davonstehlen, kann ihn nicht zurück lassen, kann nicht ohne ihn sein, kann nicht ohne sein Lachen sein oder ohne sein Weinen.
Ich liebe ihn wie noch nie jemand geliebt hat.
Liebe ihn wie noch nie geliebt wurde.
An manchen Abenden liege ich wach, gebe nur vor ich würde schlafen, dann kann ich spüren wie sein Herz neben mir schneller schlägt, wie seine Finger nah an meinen Zittern und kann seinen ruhelosen, schnellen Atem nah an meinem Ohr spüren. Mein Herz schlägt schneller bei jeder seiner Bewegungen, bei jedem Atemzug denn er tut. Dann erhebt er sich sobald er glaubt ich würde schlafen, geht um nach den Käfern zu schauen, um zu schauen, ob sie schon aus seinem Mund hervorquellen. Und er kommt nicht wieder zurück. Er bleibt die Nacht irgendwo, eng zusammen gekauert, auf die Käfer einredend.
Manches Mal sperrt er sie einfach ein, sie und sich selbst.
Sperrt sie in einen kleinen Raum unterhalb der Treppe. In diesem kauert er sich dann zusammen, die Käfer zappeln ungeduldig in seinem Inneren. Sie wollen Frei sein, suchen irgendeinen Weg nach draußen. Suchen nach einer Stelle an der sie an die Oberfläche gelangen können.
Wenn ich dann alleine in unserem Bett liege, die Augen aufgeschlagen, zu weiten schwarzen Flecken geformt dann tut mir jede meiner Taten, einfach alles was ich empfinde so unbeschreiblich leid. Es tut mir leid, dass ich mich vor den Käfern in ihm fürchte, das ich mich vor ihnen verstecken zu versuche, das ich mich vor ihnen ekele.
Ich will ihn lieben, als wäre er der einzige Mensch auf Erden den es sich zu lieben lohnt.
Und doch habe ich Angst.
Ich habe Angst vor den Tagen und ich habe Angst vor den Nächten. Ich habe Angst vor der Unsicherheit die mich an solchen Tagen befällt, Angst davor in seiner Nähe zu sein, wo ich das Gefühl habe, ich sei das Bakterium das seine Krankheit auslöst. Wo ich das Gefühl habe, ich sei der Stoff von dem dieses Geschwür in seinem Innern sich ernährt. Ich weiß, dass ich durch das, was ich tue mit meinen Fingernägeln tief in sein Herz dringe, tiefe Rillen in ihm ziehe, dadurch, dass ich es vermeide in seine Augen zu blicken. Dadurch, dass ich lange Zeit nicht aus dem alten Dachzimmer heraus komme. Dass ich die Türen hinter mir verschließe. Dadurch, dass ich seine Anwesenheit meide als wäre die Luft um ihn wie Gift für meine Lungen.
Oft verkrieche ich mich ganze Tage auf dem Dach, verschließe die Tür hinter mir, versuche an nichts zu denken, versuche mich in Sonnenschein aufzulösen, mich von ihm hinfort tragen zu lassen.
Zu einem Ort an dem es meinem Liebsten gut geht, zu einem Ort an dem sich keine Käfer durch seine Eingeweide fressen. Kühler Wind dringt durch die undichten Stellen des Daches, dringt durch meine Hülle, durch meine Knochen.
Dringt, so scheint es mir zielstrebig in mein Herz.
Ich verstehe nicht warum ich hier bin, warum ich ihm nicht zur Seite stehe wenn es ihm schlecht geht, warum ich nicht versuche ihn mit allen Mitteln die ich habe zu beschützen.
Zeit der Käfer II Teil II
ich in meinem schwarzen Kleid und mit ungekämmten Haaren, nicht ohne den grauen Schleier vor meinen Augen zurecht zu ziehen, er hübsch wie eh und je (kann ihn nie, auch nur im Geringsten, hässlich finden) um in dem kleinen Städtchen einzukaufen das nur wenige Minuten von unserem Haus entfernt liegt. Ruht dort schlafend zwischen ein paar von Grün gesprenkelten, schokoladenfarbenen Hügeln. Erhebt sich aus dem Boden wie wachsende Zwerge, erhebt sich daraus wie die Nasen schlafender Riesen. Dort kaufen wir gemeinsam neuen Hagebuttentee und verlieren kein einziges Mal die Hand des Anderen. Halten uns aneinander als hätten wir Angst verloren zu gehen, als hätten wir Angst den Anderen zwischen all den fremden Gesichtern, all den unbekannten Gedanken zu verlieren. Neugierig betrachten wir die Fremden, die Gesichter, die sich zu uns umwenden, uns studieren, so wie wir es mit ihnen tun. Liebevoll halten wir aneinander fest, unsere Finger, Knochen, Fleisch und Haut gefühlt mit unseren Leben, ineinander verschränkt, in einander verknotet, das man fürchten könnte das man sie nie wieder auseinander flechten könnte. Wir versuchen uns an den Anderen zu halten, an seine Existenz, an sein Hier-sein-und-nicht-wo-anders. Versuchen alles am Anderen zu verstehen und verstehen uns doch ohne Worte. Voller Erstaunen betrachten wir die Welt um uns, diese bunte Welt, gesprenkelt von Farbflecken, die vor unseren Augen zu verschwimmen scheint. Die uns entgegen knallt wie ein Feuerwerk, so viele Dinge auf einmal die auf uns einströmen, zu viele um sie alle auf einmal zu begreifen, zu viele um auch nur eines davon zu fassen zu bekommen. Ein Aufblitzen vor deinen Augen, sekundenschnell bevor es schon wieder verschwunden ist. Ich reibe mir erstaunt die Augen, damit sie nicht zu schmerzen beginnen, von all diesem Passieren, von all dem Geschehen, das um uns stattfindet, das uns zu erschlagen droht. Versuche so viel wie nur irgend möglich in meinen kleinen Körper aufzusaugen. In jede meiner schwarzen, farblosen Körperzellen, einen Partikel dieser Farben in mich aufzusaugen. Um selbst ein wenig bunter zu erscheinen, um selbst an Leben zu gewinnen. Ich kann in diesem Gewirr aus Farben nicht mehr atmen, ich drohe zu ersticken. Meine Hand wird genommen, wie etwas sehr Wertvolles, wie etwas das jeden Moment zerbrechen könnte und ich werde hinfort getragen, aus all dem was mich fasziniert, was mir Farbe gibt und was mich zu erdrücken droht. Schnell werde ich fort geführt, von einem schwarzen Haarnest und dunklen Augen. Werde aus Häusern, Fremden Gesichtern und all den rauschenden Farben gerettet. Unser Atem geht schneller, unsere Herzen rasen, unsere Poren sondern Schweiß ab. Seiten stechen, Haare kleben an Nacken und Augen schwimmen. Liebevoll werde ich gehalten und erneut wird für mich, für mich allein gezaubert.
Wenn mein Liebster zaubert ist das als würde einem Herz und Gehirn gleichzeitig stehen bleiben. Man braucht nichts mehr zu denken, nichts mehr zu empfinden. Man löst sich auf, in Wohlgefallen und heiße Luft. Ich weiß nicht wie er es macht.
Ich weiß nur das mein Schatz ein Zauberer ist.
Ich wünsche mir oft, wenn ich in unserem Bett liege, den Kopf in die Kissen drücke, er möge nur für mich zaubern, niemals sich einem anderen Menschen auch nur nähern, er möge niemals einen Anderen auch nur jemals wieder anschauen, wünsche mir inständig er wäre blind und lahm damit er nie auch nur jemand anderen berühre, nie die Augen eines Anderen in seine fassen, niemals auch nur an Jemand anderen denken kann. Ich wünsche mir, dass er nur mir allein gehört.
Das ich die Einzige bin der er seine Liebe schenkt, dass ich die Einzige bin die er jemals anschaute, will die Einzige sein, auf die er seine Krankheit loslässt, will die einzige sein, die seine Hand halten darf, die einzige die er liebt.
Und ich will seine Hände abschlagen, dass sie niemand zu fassen bekommt, will sein Gesicht verschandeln, damit ihn nie wieder jemand außer mir anschaut, will ihm beide Beine brechen.
Und der graue Schleier, der vor meinen Augen hängt, scheint sich für einen kurzen Moment zu heben. Unter ihm blitzen hervor, graue Wänden und meterhohe Schornsteine vor den Fenstern. Meine kleinen Finger reisen ihn in die Tiefe, halten ihn verzweifelt auf dem Boden, das er nicht erneut in die Höhe flattern könnte.
An einem Tag gehen wir gemeinsam ans Meer.
Wir packen einen kleinen Picknickkorb ein, ein paar Brote und jeweils eine Kanne Tee und Kaffee. Ich trage mein schwarzes Sommerkleid, meine Sommersandalen, er ist hübsch wie jeden Tag. Sein Haar schimmert in der Sommerluft, seine Augen, zwei schwarze Knöpfe inmitten dunkler Haarsträhnen leuchten mir entgegen, untermalt von schwarz und Müdigkeit. Unsere Füße tragen uns voran, wir müssen gar nichts tun, sie ziehen uns als wären wir Schlafwandler in unserer eigenen Traumwelt. Unsere Füße bringen uns immer weiter, über Gräser, die zu uns aufschauen wie kleine, dürre Männchen, die uns wackelnd empfangen. Kirschbaumzweige die sich leise zu uns beugen, Tore vor uns bilden durch die wir schreiten könne, rieselnde Blütenblätter auf unseren Schultern. Vor uns aus dem Boden wachsen junge Bäume in die Höhe, schlängeln sich um unsere Beine, schlagen ihre Wurzeln immer tiefer in das Fleisch der Erde. Um uns bricht sich der Sonnenschein auf kalten Steinen, verfängt sich in unseren Haaren und Augen. Wir gehen, schlendern bis unsere Zehenspitzen weichen Sand berühren. Bis seine Körner unter unseren Füßen knirschen. Den Mittag verbringen wir mit unseren Stullen, lassen uns Butter und deftige Meerluft schmecken, lassen beides auf unserer Zunge zergehen. Über uns schreiende Möwen, strahlend blauer Himmel, kleine summende Insekten.
Er glaubt ich lebe in meiner eigenen Welt.
Schwarzes Haar wird aus dem Gesicht gestrichen, mein Name hinaus in die Wellen geschrien, mein Liebster greift nach meiner Hand, hält sie fest, beschützt sie, während mein Herz in Höhe meines Halses zu schlagen scheint. Aus seinem Hals dringt mein Name wie eine Zauberformel, eine für Glück und Frieden, eine die Wünsche in Erfüllung gehen lässt, eine solche, nach der wir uns alle schon einmal sehnten. Mit diesen Gedanken verfolgen wir seinen Schrei, wie er über den Ozean rast, wie er immer höher steigt, sich in die Atmosphäre drückt, sie schließlich durchbricht wie eine Rakete und seinen Weg ins Universum findet, seinen Weg in die Freiheit.
Den ganzen Abend sitzen wir eng umschlungen, am Rande der schäumenden Wogen. Über uns spannt sich der dunkelblaue Himmel. Schützend habe ich meine Arme um meinen Liebsten gelegt.
Mein Liebster, mein Schatz, mein Ein und alles, meine kleine Welt, mein Liebling, mein Freund, mein Vertrauter, meinen ohne-dich-kann-ich-nicht-existieren. Leise singen wir unbekannte Zeilen in denn Abend, lassen Sand durch unsere Hände rieseln. Mein Name wird zu einem der vielen Sterne am Himmel, wird zu einem Himmelsgestirn über unseren Köpfen, sodass er auf uns herabschauen und über uns den Kopf schütteln kann.
Davon bin ich überzeugt.
Er: „Ich liebe dich, als wärst du der Himmel über meinem Kopf,
als wärst du die Erde die ich mit meinen Füßen betrete,
als wärst du die Wege, die ich beschreite (von denen ich abweiche),
als wärst du Wasser, wenn ich verdurste,
als wärst du Brot, wenn ich verhungere.
Ich liebe dich als wärst du Regentropfen an einem Sommertag,
als wärst du das frische Gras im Frühling,
als wärst du der letzte Schmetterling im Herbst.
Ich liebe dich, als wärst du meine Knochen,
als wärst du das Blut, das durch meine Adern fließt.
Ich liebe dich, wie noch niemals geliebt wurde.
Ich liebe dich, als wärst du es, die anstelle meines Herzens in meiner Brust schlägt.“
Am Abend wache ich leise und lausche auf die Geräusche, die um mich erklingen. Leise, wachsam, behutsam tastet meine Hand nach seiner, tastet seine Hand nach meiner, tasten unsere Hände, schmecken meine Lippen seinen Atem, brennen meine Eingeweide in seinem geschundenen Körper, flüstern seine Gedanken in meinem Kopf, schlägt mein Herz in seiner Brust.
Wir schmecken unsere Lippen, wir beide, wir, die wir eins sind und die doch zwei Körper trennen. Wir, die wir sind wie ein Ganzes, die wir sind, wie eine Einheit. Sind wie siamesische Zwillinge, sind verschmolzen, ineinander verschlungen, zusammengewachsen, vereint, ineinander verschachtelt. Wir sind Eins.
Ich atme ein, und er, er atmet aus, aufschnappend, erleichtert, erlöst. Ganz so als hätten wir noch nie die Luft um uns geschmeckt. Wie Freiheit, wie Zerstörung, wie Liebe.
Mit jedem Atemzug den wir tun, nach dem wir schnappen wie Ertrinkende, atmen wir unser Existenz. Die Existenz dessen was wir sind, dessen wie wir sind.
Was ist der Sinn hinter all dem?
Hinter unserem Zusammensein?
Wir halten uns an den Händen, fließen durch unsere Adern, prickeln auf unserer Haut, brechen unsere Knochen, lassen unsere Herzen brechen und finden doch immer wieder zu uns zurück. Retten uns in unsere Arme, ich und mein Liebster. Verhalten uns wie zwei gejagte Hasen, wie zwei Flüchtende, wie zwei Ziellose.
Und jedes Mal wenn ich glaube ich muss verloren gehen rette ich mich in unsere Einheit, in unsere Verbundenheit, in meine Erinnerung an uns.
Daran wie wir sind: Klein, verloren, uns aneinander festhaltend, wir Zwei,- ineinander verschachtelt, einsam. Wie wir uns gegenseitig atmen, süchtig nach einander, nah beieinander stehend, mit Herzen die so laut schlagen wie ein Presslufthammer, mit unserem schwarzen Haar, unseren dunklen Augen, unseren Körpern voller Knochen, voller Fleisch, voll von sich windende Eingeweiden, gefühlt von blutroten Käfern.
Den Kopf voll von Unsinn, den Geist voll von Freiheit und das Herz voll von Liebe.
Zeit der Käfer II Teil I
Manchmal ist von der Krankheit meines Liebsten längere Zeit nichts zu bemerken, dann kommt es mir fast so vor als wäre er genesen, als wären alle Sorgen, all die Angst um ihn, um mich, um unser Zusammensein vergessen. Als wäre all unsere Unsicherheit verloren gegangen, hätte ihren Weg aus unseren vier Wänden gefunden, hätte ihre Sachen zusammengepackt, nichts von sich zurück gelassen. Ganz so als hätte sie uns niemals gesteift, uns nie mit ihren klammen Fingern umschlossen, uns nie in ihre Macht gebracht.
Dann liegen wir lachend, uns an den Händen haltend, im hohen Gras und lassen die Sonne unsere Nasen kitzeln. Das Gras wächst über uns hinaus, seine Halme werden zu schwankenden Riesen, die im Takt des Windes leise tanzen. Wir atmen die Welt die um uns ist, atmen die feuchter Erde in unserem Garten, schauen den Pflanzen, den Sonnenblumen beim wachsen zu. Schüchtern tätschelt Regen unsere Köpfe. Wir begrüßen ihn mit begeisterten Stimmen. Sehnen uns nach seinen Tropfen wie durstige Pflanzen, sehen uns nach seiner Anwesenheit.
Dann schreiten wir durch unseren Garten, sind eine Einheit.
Streicheln schwere Rosenköpfe, schleppen sperrige Gießkannen von einem Ende unserer Welt zum Anderen. Ich schleppe sie unbeholfen, verschütte Wasser über meine nackten Füße, über meine schwarzen Kleider, verschütte ein kleines Bisschen Beherrschung. Sein Lachen das durch unser Paradies, zwischen Kirschbäumen und Rosenbüschen hindurch schallt, ist wie eine Droge in meinem Kopf. Ich warte jeden Moment nur darauf, es möge ein weiteres Mal aus seinem Mund dringen.
Wir schlendern die Wege um unser Häuschen,
an Brombeersträuchern, blühenden, leuchtend gelben Ostersträuchern, die die Wege um tanzen entlang, lauschen dem Flüstern des Windes, unseren eigenen verwirrenden Gedanken. Wir wollen uns nicht mehr loslassen, kleben aneinander als wären wir verwachsen. Kleben aneinander, wie in einander verwachsene Bäume von der gleichen Mutter. Wir scheinen zueinander zu gehören, wie Geschwister, wie Mutter und Kind. Scheinen zueinander zu gehören wie Zwillinge. Scheinen aneinander zu brauchen wie Wasser, wie das Schlagen unsere Herzen. Wir machen lange Spaziergänge, kaufen uns süßen Hagebuttentee denn wir am Abend trinken. Wir sitzen gemeinsam auf der kleinen, heruntergekommenen Terrasse, die sich unter unseren Füßen demütig zu beugen scheint, atmen die Luft des Abends. Tee dampft aus unseren Schüsselchen in unsere weißen Gesichter, wärmt unsere Finger.
Wir sind die besten Freunde, sind für einander geschaffen, lieben niemanden mehr als den anderen, würden alles für den anderen tun. Ich lehne mich an seine Schulter und lege einen Arm freundschaftlich, liebevoll um seine Schulter, sein von schwarz überwucherter Kopf liegt auf meiner Schulter wie der Kopf eines Kindes, das aus meinem Bauch schlüpfte. Ich möchte ihn beschützen und er will mich beschützen. Sein schwarzes Haar das auf meiner schmalen Schulter ruht, sich mit meinem zu vermischen scheint, mit meinem zu verwachsen scheint, ringelt sich in seinem blassen Nacken.
Jede Sekunde will ich bei ihm sein.
Jede Sekunde will ich ihn beschützen.
Ich: „Ich wünschte du wärst als mein Herz geboren worden.“
An Tagen wie diesen bleiben wir in unserem kleinen, abseits gelegenen Haus mit der dunkelblauen Türe und dem winzigen Garten. Gebaut auf einem Hügel der sich, als wir ihn das erste Mal sahen, mit einem Wolkenschleier umhüllt hatte, sich den dicken, weichen Wolken näherte, sie fast mit seinem von langem Gras bewachsenen Kopf berührte. Die Wände unseres Häuschens, heben sich mit ihren blau gestrichenen Wänden kaum vom klaren Himmel ab.
Wenn ich durch die riesige Tür hinein schreite kommt es mir jedes Mal so vor als würde ich eine neue Welt betreten. Ein schmaler Weg schlängelt sich direkt von unserer Türschwelle denn Hügel hinab. Leicht schief scheint unser Häuschen auf der Spitze des Hügels zu sitzen, ganz wie eine verrutschte Kugel Eis.
Wenn im Frühling die Sonne hinterm Horizont hervorlugt, uns erst Grüße sendet, frühstücken wir Toast und starken Kaffee auf der zusammengeschrumpften Terrasse, ich streife lange Pullover über meine Kleider, binde mein Haar in lange Zöpfe. Wir sitzen dort und schweigen, lassen die Blicke über denn blauen Himmel streifen, der sich über unsere Köpfe spannt wie eine Decke.
Dann fühlen wir uns endlos unter diesem blauen Himmel,
diesem Himmel ohne Fehler.
Seine Hand ruht in meiner Hand,
Sein Herz ruht in meiner Brust,
seine Gedanken sind in meinem Kopf.
Er: „Lass uns für immer zusammen sein.“
Ich: „Ja.“
Er: „Lass uns für immer an den Händen halten.“
Ich: „Ja.“
Er: „Lass uns, in unserem Leben, jeden Kaffee gemeinsam trinken.“
Ich: „Ja.“
Er: „Lass mich niemals alleine.“
Ich:„...Ja.“
An einem dieser guten Tage weckt mein Liebster mich am Morgen mit einem Kuss auf die Wange. Verschlafen öffne ich die verklebten, dunklen Augen, öffne sie für einen neuen Tag, für eine neue Welt. Es gibt keine Verpflichtungen, kein So-hast-du-zu-sein-und-nicht-anders, keine Einschränkungen und keine Sorgen. Am Abend, der Mond lässt seine silbernen Blicke über unsere schwarz gekleideten Gestalten streifen, liegen wir, Schulter an Schulter und die Hände ineinander verschränkt auf dem Bett und lauschen leiser Musik. Er folgt, flüsternd den Strophen und meine Zehen tanzen mit der Musik als wären sie hypnotisiert. Seine Stimme dringt durch die Schleier der Nacht wie ein verirrter Geist.
Die Stimme meines Liebsten ist nicht von dieser Welt. Wenn sie sich aus seinem Munde stiehlt wachsen um uns Knospen aus dem Boden, brechen aus Decke, Bettpfosten und gefliestem Boden zu uns hinauf, ringeln sich wie die Kinderfinger um meine Zehen, um mein Beine, greifen in mein dunkles Haar. Erblühen vor unseren Augen in kleine roten Wolken, lachen hämisch in unser Gesichter. Seine Stimme dringt tief in mich ein wie eine verirrte Fliege.
Er hatte gezaubert.
Zeit der Käfer
Mein Liebster
hat eine unheilbare Krankheit die ihn von Innen auffrisst,
die durch seine Eingeweide kriecht, ihn von Innen heraus zerstört.
Tausende von blutroten Käfern die in seinem Körper wohnen, durch sein Blut schwimmen, bringen ihn um den Verstand. Sie verschlingen langsam all seine Liebenswürdigkeit, all seine Zärtlichkeit. Sie verschlingen all seine Ideen, seine Gedanken, all seine Überlegungen, alles was ihn ausmacht, alles was ich an ihm liebe. Die Käfer bringen ihn unter ihre Kontrolle, flüstern kranke Gedanken in sein Ohr, versuchen ihn für ihre Sache zu gewinnen. Und ihr sehnlichster Wunsch ist es nur:
mich zu zerstören.
Mein Herz schmerzt. Weil ich meinen Liebsten nicht mehr wiedererkenne, weil er mir fremd ist wie Jemand dem ich nie begegnete, wie jemand den ich nie in mein Herz ließ. Meine Füße tragen mich hinfort, tragen mich aus seiner Nähe als könnte ich sie nicht mehr steuern.
Ich will ihn so nicht sehen.
Mein Liebster ist die sanfteste und liebenswerteste Person, der ich auf dieser Welt, jemals begegnet bin. Die lieblichste, schönste Person die in diesem Leben zu mir strebte. Sich in mir verfing. In meinen Armen Platz fand und perfekt in mich passte, zu mir gehörte.
Und ich liebe sein schwarzes Haar das aus seinem Kopf sprießt wie Unkraut, ich liebe seine schlanke Gestalt die sich vor mir abzeichnet, seine großen Hände, liebe es wie er nichts sagt, wie er schweigt. Ich liebe seine blasse Haut, die Fältchen neben seinen Augen, die Ringe darunter. Ich liebe jeden seiner Gedanken, jeden der Sätze die er mir gegenüber äußert, jedes Wort das er für mich niederschreibt. Bin voll und blind von Liebe.
Alles was um ihn passiert, alles was durch ihn, mit ihm geschieht bringt mein Blut in meterhohe Wogen, die über mir zusammen schlagen, mich auf seinen Ozean hinaus treiben.
Und die Worte die aus seinem Mund spazieren, Schritte in unsere Welt hinaus wagen, sind wie Seifenblasen die sich auf meiner Haut niederlassen und dort sanft zerplatzen.
Seine Gedanken sind wie Knospen die in meinem Kopf erblühen, sind wie Blumen die er in meinen Hirnwindungen sät, die dort ihre Wurzeln ansetzten.
Seine Gefühle sind gefüllte Luftballons, die über unseren Köpfen tanzend, in tausend strahlenden Farben über unseren Köpfen flattern. Die bei ihrem Zerplatzen in Form von tausenden von Ideen, in Form von aber und aber tausenden von Träumen auf uns nieder gehen, uns neu erfüllen. Uns neu befüllen.
Seine kalten, knochigen Fingerspitzen auf meiner Haut sind wie die Beinchen frisch geschlüpfter Schmetterlinge und das Schlagen seines Herzens ist wie das Geräusch der Regentropfen die auf meine Haut niederschlagen, ist wie das Atemholen der Welt, wie der erste Seufzer der Unendlichkeit.
Jede Sekunde die ich mit ihm zusammen bin scheint meine Liebe anzuschwellen wie eine übergroße, mit Blut bis zum Anschlag voll gesaugten Zecke, jede Minute die ich nicht in seiner Nähe bin verzehre ich mich nach seiner Anwesenheit, jede Stunde in denen ich seinen Worten, seinem Reden lausche, ist es als würde ich in meine Einzelteile zerlegt, auseinandergebaut und wieder zusammen gesetzt.
Neuer.
Besser.
Lebendiger.
Montage sind wie Sonntage wenn wir zusammen sind.
Weinen ist wie Lachen.

